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18/07/2026

Isabella von Aragon (1470-1524), die Herzogin von Mailand, oder Lisa del Giocondo (1468-1542)

Wer ist auf dem berühmten Porträtgemälde im Louvre, das den Titel "Mona Lisa" trägt, wirklich abgebildet?

Der Molekularbiologe und preisgekrönte Wissenschaftskommunikator Dr. Joe Hanson hat mir Hoffnung gegeben, dass es in der Wissenschaft die Wahrheit immer schafft, sich Gehör zu verschaffen. Manchmal dauert es eben etwas länger. "The easy story (die Dame im Louvre ist Lisa del Giocondo, erschaffen im Jahr 1503) and the true story (die Dame im Louvre ist das erste Porträt der mailändischen Herzogin Isabella von Aragon, erstellt im Jahr 1489) are almost never the same story. But the true one, if you're patient enough, if you're curious enough to actually chase it down, gives you something much better."

Für mich als Historikerin ist es unbegreiflich, wie viele Menschen den Unsinn, den die Kunsthistoriker erzählen, glauben. Die Wahrheit hat es bis jetzt immer noch nicht geschafft, obwohl die Kunsthistoriker nicht eine einzige historische Quelle für ihre Behauptung, die Dame im Louvre ist "Mona Lisa", Lisa del Giocondo, vorlegen können. Dabei gibt es zwei wichtige Quellen aus dem 16. Jahrhundert, die beweisen, dass die Dame im Louvre nicht Lisa del Giocondo sein kann. Im Januar 2008 fand ein gewisser Dr. Armin Schlechter in der im Jahr 1477 gedruckten Cicero-Ausgabe eine Randbemerkung des florentinischen Kanzleibeamten Agostino Mathei Vespucci, die dieser sogar datiert hatte. So schrieb er diesen wichtigen Zusatz im Oktober 1503. Und lesen Sie nun einmal in aller Ruhe und ganz genau, was in dieser Randbemerkung wirklich stand (zuerst im Original, in Latein, dann in der Übersetzung): "Apelles pictor. Ita Leonardus Vincius facit in omnibus suis picturis, ut enim caput Lise del Giocondo et Anne matris virginis. Videbimus, quid faciet de aula magni consilii, de qua re convenit iam cum vexillifero. 1503 Octobris." (= Der Maler Apelles. So macht es Leonardo da Vinci in allen seinen Gemälden, wie z.B. dem Kopf der Lisa del Giocondo und der Anna, der Mutter der Jungfrau. Wir werden sehen, was er bezüglich des großen Ratssaales machen wird, worüber er sich gerade mit dem Gonfaloniere geeinigt hat. Oktober 1503). Vespucci spricht also u. a. von "dem Kopf der Lisa del Giocondo".

Und nun lesen Sie einmal, was Giorgio Vasari (1511-1574) in seinem Werk "Lebensgeschichten der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance", dessen erste Ausgabe im Jahr 1550 (also 31 Jahre nach dem Tod von Leonardo da Vinci) und dessen zweite, verbesserte Auflage im Jahr 1568 (also 49 Jahre nach dem Tod von Leonardo da Vinci) erschienen, über dieses Werk des großen Malers, das er selbst gesehen hatte, schrieb: "Auch unternahm Leonardo für Francesco del Giocondo das Bildnis der Mona Lisa, seiner Frau, zu malen. Vier Jahre Mühe wandte er dabei auf, sodann ließ er es unvollendet und es ist heutigen Tages zu Fontainebleau, im Besitz des Königs Franz von Frankreich. Wer sehen wollte, wie weit es der Kunst möglich war, die Natur nachzuahmen, der erkannte es an diesem schönen Kopfe. Alle Kleinigkeiten waren darin aufs feinste abgebildet, die Augen hatten Glanz und Feuchtigkeit, wie wir es im Leben sehen; rings umher bemerkte man die rötlich blauen Kreise und die Wimpern, welche nur der zarteste Stift [es handelt sich also um eine Zeichnung] ausführen kann; bei den Brauen sah man, wo sie am vollsten, wo am spärlichsten sind, wie sie aus den Poren der Haut hervorkommen und sich wölben, so natürlich, als nur zu denken ist. An der Nase waren die feinen Öffnungen rosig und zart aufs treueste nachgebildet, der Mund hatte, wo die Lippen sich schließen, und wo das Rot mit der Farbe des Gesichts sich vereint, eine Vollkommenheit, dass er nicht wie gemalt, sondern in Wahrheit wie Fleisch und Blut erschien; wer die Halsgrube aufmerksam betrachtete, glaubte das Schlagen der Pulse zu sehen, kurz man kann sagen, dieses Bild war nach einer Weise ausgeführt, welche jeden vorzüglichen Künstler und jeden, der es sah, erbeben machte. Mona Lisa war sehr schön und Leonardo brauchte noch die Vorsicht, dass, während er malte, immer jemand zugegen sein musste, der sang, spielte und Scherze trieb, damit sie fröhlich bleiben und nicht ein trauriges Ansehen bekommen möchte, wie es häufig der Fall ist, wenn man sitzt, um sein Bildnis malen zu lassen. Über diesem Angesicht dagegen schwebte ein so liebliches Lächeln, dass es eher von himmlischer, als von menschlicher Hand zu sein schien, und es galt für bewundernswert, weil es dem Leben völlig gleich war.“ (in: Giorgio Vasari: Lebensgeschichten der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance, Zürich 1980, S. 245-247 (aus der zweiten Auflage des Werkes von Giorgio Vasari).

Aus dem Kopf der Lisa del Giocondo, den Leonardo da Vinci im Jahr 1503 zeichnete, wurde also nie ein vollständiges Porträtgemälde. Er blieb auch 31 bzw. 49 Jahre nach dem Tod des großen Malers einfach ein wunderschöner, gezeichneter Kopf der Lisa del Giocondo, ohne Haare und ohne Körper! Meine lieben Leser und Leserinnen, bitte plappern Sie den Unsinn der Kunsthistoriker nicht einfach nach. Seien Sie das schlaue kleine Kind im Märchen "Des Kaisers neue Kleider". ... und lesen Sie mein Buch "Wer ist Mona Lisa? Identifizierung einer Unbekannten mit Hilfe historischer Quellen", das ein großes Lob erhalten hat, über das ich mich so gefreut habe: "... We are writing to you because we were deeply impressed by your outstanding results in the studies around the figure of Monna Lisa by Leonardo da Vinci ... Yours sincerely, L’assessore alla Cultura del Comune di Pavia, Mariangela Singali Calisti." Mariangela Singali Calisti hat mir große Hoffnung gegeben, dass es auch in unserer Zeit noch Menschen gibt, die erst dann ein Urteil fällen, wenn sie sich selbst schlau gemacht haben.

Neu: Wer ist Mona Lisa?
Buchcover: Wer ist Mona Lisa?

Wer ist Mona Lisa? – Identifizierung einer Unbekannten mit Hilfe historischer Quellen

als Buch bei amazon.de: 172 Seiten, mit Stammtafeln und 136 Bildern (130 Bilder in Farbe), Independently published, 1. Auflage, ISBN 978-1-9831-3666-5, € 29,31