Anna von Sachsen – Gattin von Wilhelm von Oranien
124 Seiten, mit Stammtafeln und 64 SW-Bildern, ISBN 978-1-9733-1373-1, 4. überarbeitete Auflage, € 7,80
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Sie war eine Urenkelin von Wilhelm von Oranien (1533-1584), wie auch ihr Gatte ein Urenkel von jenem war. Charlotte und Karl I. Ludwig heirateten am 12./22. Februar 1650 in Kassel. Charlotte trug zu diesem Anlass "ein Kleid aus prunkvollem Silberlamé. Eine Krone mit Diamanten, deren Wert man auf einige tausend Taler schätzte, schmückte ihr Haar, das offen auf die Schultern fiel. Ihre breit gefächerte Schleppe wurde von ebenfalls in Silber gewandeten Ehrenjungfrauen getragen. ... Karl Ludwig war jedoch von seiner Schwiegermutter, der Landgräfin Amalie [Elisabeth von Hanau-Münzenberg], gewarnt worden. Schon geraume Zeit vor der Hochzeit hatte sie ihn auf die Gefühlskälte und Eigensinnigkeit Charlottes aufmerksam gemacht. ... [aber:] Das unausgeglichene, reizbare Wesen Charlottes wog wenig im Vergleich zu den politischen Vorteilen, die er [Karl I. Ludwig] sich von dieser Verbindung versprach." (in: Dirk Van der Cruysse: „Madame sein ist ein ellendes Handwerk“: Liselotte von der Pfalz – eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenkönigs, S. 35/37/39).
Sophie von der Pfalz berichtet in ihren Memoiren über ihre Schwägerin Charlotte von Hessen-Kassel im Jahr 1650, "daß sie eine sehr große Frau war mit ziemlich kurzem Oberkörper und sehr langen Beinen; sie hatte einen wunderschönen Teint und den schönsten Hals von der Welt. Ihre Züge waren nicht regelmäßig, und ich [Sophie] fand auch, daß ihre Augenbrauen, die sie schwarz färbte, einen zu starken Gegensatz zu ihren sehr schönen, aschblonden Haaren bildeten; und wenn sie ihre Augenbrauen in die Höhe zog, gab dies ihrer sehr hohen Stirn eine Bewegung, die sie recht häßlich machte. Zum Ersatz hatte sie schöne, glänzende Augen, einen ausdrucksvollen Mund, sehr schöne Zähne, und alles in allem konnte man sagen, daß sie eine schöne Frau war. ... Auf dem Rückwege machte sie mir das Geständnis, daß sie den Herrn Kurfürsten [also ihren Gatten] gegen ihre Neigung geheiratet habe, daß mehrere andere Prinzen um sie angehalten hätten, daß aber ihre Frau Mutter für sie gewählt habe und sie einen eifersüchtigen Alten habe heiraten lassen. ... Ich [Sophie] sah wohl, daß er [ihr Bruder Karl I. Ludwig] sie trotz der Fehler, die er an ihr fand, abgöttisch liebte, und ich schämte mich oft, wenn ich sah, daß er sie vor allen Leuten küßte. Das war ein beständiges Sichumarmen ..." (in: Dirk Van der Cruysse: „Madame sein ist ein ellendes Handwerk“: Liselotte von der Pfalz – eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenkönigs, S. 43-44).
"Zu Beginn ihres gemeinsamen Lebens war der Kurfürst ganz offensichtlich sehr in Charlotte verliebt. Er liebkoste sie in aller Öffentlichkeit und nannte sie nicht selten 'mein Schatz'. Aber diese Äußerungen ehelicher Liebe stimmten die Kurfürstin [Charlotte] durchaus nicht milder; sie fand den verliebten alten Knaben schlichtweg lächerlich. ... Charlotte geriet schon bei den kleinsten Vorwürfen fürchterlich in Zorn, so daß ihr Mann - zumindest anfänglich - sie mit kleinen Geschenken und Zärtlichkeiten zu besänftigen versuchte." (in: Dirk Van der Cruysse: „Madame sein ist ein ellendes Handwerk“: Liselotte von der Pfalz – eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenkönigs, S. 41-42).
Das erste Kind aus ihrer Ehe, ihr Sohn Karl, geboren am 31. März/10. April 1651, den sie sehr liebte, war sehr oft krank. Sie hatte ihm den Spitznamen "Karellie" gegeben. Am 27. Mai 1652 brachte sie ihre Tochter Elisabeth Charlotte oder kurz "Liselotte" auf die Welt: "Charles Louis [ihr Gatte] much preferred the healthy girl born in the following year [am 27. Mai 1652]. The pleasantest passages in his letters to his mother were those in which he dwelt with paternal pride on the charm and liveliness of his daughter Elizabeth Charlotte - "Liselotte". (in: Carola Oman: Elizabeth of Bohemia, id., pp. 378-379). Ihr drittes Kind erblickte als Frühgeburt das Licht der Welt. Charlotte liebte das Kartenspiel und die wilde Jagd über alles. Auf beides war sie nicht bereit zu verzichten, auch wenn sie hochschwanger war. Daher kam ihr drittes Kind, erneut ein Sohn, am 12. Mai 1653 zu früh und geschwächt auf die Welt. Er erhielt den Friedrich und starb bereits am 13. Mai 1654. "Karl Ludwig warf Charlotte vor, sie sei schuld am Tod ihres Sohnes [Friedrich]; sie ihrerseits trug ihm nach, daß er ihr innerhalb von drei Jahren drei Schwangerschaften aufgezwungen hatte. ... und Charlotte bedeutete ihrem Manne, daß sie künftig in einem gesonderten Zimmer schlafen werde." (in: Dirk Van der Cruysse: „Madame sein ist ein ellendes Handwerk“: Liselotte von der Pfalz – eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenkönigs, S. 45).
Ihrer Schwägerin Sophie von der Pfalz hatte Charlotte also erzählt, "... she had been forced by her mother to accept 'a jealous old man' [Karl I. Ludwig von der Pfalz], when she might have had her enamoured cousin, Duke Frederick von Württemberg-Neustadt, the attractive Dukes George and Ernest Augustus of Brunswick Lüneburg, Philip, Palsgrave of Sulzbach, 'and several counts'. ... But his temper [Karl I. Ludwig] had never been sweet, and he had begun to suffer from rheumatism. His learned sister nicknamed him after Timon of Athens, the misanthrope. Appalling stories of the scenes at his court reached the Hague." (in: Carola Oman: Elizabeth of Bohemia, id., pp. 393-394): "Bei einer besonders heftigen häuslichen Szene ohrfeigte er [Karl I. Ludwig] bei Tisch seine Frau vor den Augen seines Schwagers, des Markgrafen von Baden-Durlach. Die Ohrfeige fiel nicht gerade sanft aus ('eine harte Maulschelle'), und Charlotte zog sich heulend und aus der Nase blutend zurück." (in: Dirk Van der Cruysse: „Madame sein ist ein ellendes Handwerk“: Liselotte von der Pfalz – eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenkönigs, S. 46).
Am 14. April 1657 trennte sich Karl I. Ludwig schließlich für immer von Charlotte. Er hätte gern die Scheidung gehabt, aber Letztere willigte in diese nicht ein. "Dann ließ er ein auf den 6. März [1657] datiertes Rundschreiben ergehen. In diesem merkwürdigen Dokument verstößt er Charlotte in aller Form; als Gründe nennt er 'böswilliges Verweigern' der ehelichen Pflichten und ihr Verhalten, das 'ganz widerwärtig, ungehorsam, halsstarrig, verdriesslich und widerspenstig' sei ... Dann kündigt das Schriftstück eher vage seine Verheiratung mit Louise von Degenfeld an, wobei er ausdrücklich darauf hinweist, daß er sich eines 'guten Gewissens tröste und ein untadeliges Leben führen wolle'." (in: Dirk Van der Cruysse: „Madame sein ist ein ellendes Handwerk“: Liselotte von der Pfalz – eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenkönigs, S. 51).
Nach dem Tod ihres Gatten kehrte sie nach Heidelberg zurück. Ihrer Tochter Liselotte versprach sie, deren geliebte Halbschwester Louise, ein Kind ihrer Rivalin Louise oder Luise von Degenfeld, "für immer zu sich zu nehmen." "Diese herzliche Geste zugunsten der Tochter ihrer verstorbenen Rivalin (die noch dazu deren Namen trug), läßt darauf schließen, daß Charlotte trotz allen ein gutes Herz hatte ..." (in: Dirk Van der Cruysse: „Madame sein ist ein ellendes Handwerk“: Liselotte von der Pfalz – eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenkönigs, S. 314).
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