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Die Frauen der Sforza II

Maike Vogt-Lüerssen

Die Frauen der Sforza II: Caterina Sforza - Die Amazone der Sforza und die Muse von Botticelli

nur als Buch (Farbband) bei amazon.de: 320 Seiten, mit Stammtafeln und 153 Bildern, Independently published, 1. Auflage 2021, ISBN 979-8-7119-9157-1, € 44,73


Einer der berühmtesten und außergewöhnlichsten Frauen der italienischen Renaissance, die ihre Zeitgenossen für die Schönste, Anmutigste und Tapferste des weiblichen Geschlechtes hielten und über die sie in ihren Liedern, Balladen, Aufzeichnungen und Chroniken nicht müde wurden zu berichten, soll dieser zweite Band der dreiteiligen Sforza-Reihe gewidmet sein: Caterina Sforza. In die Geschichte ging diese „Wunderfrau mit ihren übernatürlichen Kräften“ als „Prima donna d’Italia“ (die erste Dame Italiens), als „Amazone von Forlì“ und als „Virago“ (ein Mannweib) ein. Letzteren Titel hatte sie von Machiavelli erhalten, auf den ihre Schönheit, ihre Schlauheit, ihr Witz und ihr Mut einen tiefen Eindruck gemacht hatten. Unsterblich ist sie jedoch nicht nur durch die vielen zeitgenössischen schriftlichen Quellen geworden, die besonders im Archivio Storico Lombardo zu finden sind, sondern auch durch ihre unzähligen herrlichen Porträts, die in der Mehrzahl von ihrem großen Verehrer Sandro Botticelli und seinen Schülern erstellt wurden. Als drittes uneheliches Kind des mailändischen Prinzen und zukünftigen Herzogs Galeazzo Maria Sforza und seiner ersten großen Liebe, einer gewissen Lucrezia, erblickte Caterina im Jahr 1463 in einer der angesehensten Dynastien des Abendlandes das Licht der Welt, nämlich der Visconti-Sforza. Während die Vorfahren ihrer Großmutter väterlicherseits, die Visconti, für über 150 Jahre die Geschicke Mailands gelenkt hatten, gehörten die Vorfahren ihres Großvaters väterlicherseits, die Sforza, zu den bedeutendsten Militärführern und Feldherren des 14. und 15. Jahrhunderts. Caterinas Großvater, Francesco Sforza, ging sogar als der größte Condottiere seiner Zeit in die Geschichte ein. Voller Stolz blickte die mailändische Prinzessin, die sich auf ihren Münzen „Catherina Sfortia Vicecomes (Visconti)“ nennen ließ, auf ihre väterlichen Vorfahren zurück. Während sie äußerlich mit ihrer hohen Gestalt – sie wird die meisten ihrer männlichen und weiblichen Zeitgenossen um Haupteslänge überragt haben –, ihrem rot- oder goldblonden Haar und ihren bernsteinfarbenen Augen ganz nach den Visconti kam, wies sie charakterlich mehr Gemeinsamkeiten mit ihren Sforza-Vorfahren auf. Ihr außergewöhnlicher Mut, ihre Furchtlosigkeit, ihre skrupellose Zielstrebigkeit und ihre Entschlusskraft wurden von allen ihren Zeitgenossen, ob Freund oder Feind, gepriesen. Sie legte zudem nicht nur großen Wert auf ihr Aussehen – auf ihre makellose, reine Haut, ihr blondes Haar und ihre weißen Zähne. Ihr Zeitgenosse Jacopo Foresti, Prior der augustinischen Kanoniker der Kathedralen in Imola und Forlì, schrieb in seinen Aufzeichnungen über sie Folgendes: „Diese Caterina ist in der Tat die Schönste unter den Frauen unserer Generation …“ (in: Jacopo Foresti: De plurimis claris selectibus mulieribus novissime congestum, Ferrara 1497, pp. CLX-CLXV). Wie ihre Vorfahren, die Visconti und die Sforza, hielt sie es als Landesherrin für ihre oberste Pflicht, für Gerechtigkeit unter ihren Untertanen zu sorgen, diese in eigener Person in Rüstung und mit der Waffe in der Hand zu beschützen und die Kunst und die Kultur in ihrer Herrschaft zu fördern. Ihre Zeitgenossen beschrieben sie außerdem als ehrlich, aufrichtig, gerecht, zäh, charmant, wortkarg, stolz, ehrgeizig, schlau, witzig, zuweilen sehr furchteinflößend, rachsüchtig – sie ließ ihre Gegner, wenn es sein musste, bis ans Ende Italiens verfolgen –, als liebestoll und, was die Führung ihrer Staatsgeschäfte anging, als sehr kompetent. Überdies liebte sie die Jagd über alles. Wenn sie auch einerseits nie ein Unrecht, das ihr oder ihrer Familie angetan wurde, vergaß, so erinnerte sie sich andererseits auch stets der Wohltaten, die man ihr und ihrer Familie erwiesen hatte. Im letzteren Fall konnte man ihrer Gunst und Zuneigung bis zu ihrem Lebensende gewiss sein. Wie ihre Visconti-Vorfahren interessierte sie es nicht im Geringsten, was ihre Mitmenschen über sie dachten. In der Rechtsprechung machte sie wie ihre Vorväter keinen Unterschied zwischen ihren armen und ihren reichen Untertanen. Für gleiches Unrecht gab es die gleiche Bestrafung. Als Fürsprecherin ihrer schwachen und armen Untertanen war sie wie die Visconti und die Sforza stets bereit, sich für diese einzusetzen, um sie vor Ungerechtigkeiten der Reichen und Mächtigen zu beschützen. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, den weltlichen und den geistlichen Herrschern des gesamten christlichen Abendlandes, hielt sie zudem stets ihr gegebenes Wort. Auf Caterina Sforza und ihre Versprechen durfte man sich vollkommen verlassen. Von vielen Männern begehrt und geliebt, war die größte Liebe in ihrem Leben jedoch ihr letztes Kind, ihr Sohn Giovanni dalle Bande Nere, der ihr von allen ihren Kindern am Nächsten stand und in dem sie sich als große Kriegerin wiederfand. Als der größte Condottiere aller Zeiten wurde er wie seine Mutter unsterblich. Über Giovanni dalle Bande Nere und seine Nachfahren, die Großherzöge der Toskana, durften sich schließlich die Könige Ludwig XIV. von Frankreich und Karl II. von England als Nachkommen dieser berühmten, furchtlosen Frau sehen, die selbst noch heute als „Venus“, die mythologische Stammmutter der Visconti, in dem berühmtesten Gemälde aus Botticellis Werkstatt die Männerherzen höher schlagen lässt.