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Eine Zeitreise in eine spätmittelalterliche Stadt 1437/1438

Inhaltsverzeichnis

Als Buch erhältlich:

Zeitreise 1 – Besuch einer spätmittelalterlichen Stadt
288 Seiten, mit 90 Bildern, ISBN 3-8334-2419-2, € 18,90

Eintrag 42

Heinkes Bericht, geschrieben am 18.2.1438

Es ist mittlerweile 1 Uhr morgens. Magdalena schläft schon seit vier Stunden, nur ich bekomme kein Auge zu. Der heutige Tag mit Thomas war einfach spitze!

Leider habe ich ihn heute, nein, gestern morgen aus seinem wohlverdienten Schlaf gerissen. Bis um 5 Uhr in der Frühe war er unterwegs, um Kranken zu helfen. Und um 10 Uhr stand ich schon wieder vor seiner Tür. Aber Thomas behauptete, sowieso nicht mehr schlafen zu können, und fragte mich, ob wir nicht ins Badehaus gleich um die Ecke gehen sollten.

"Heinke, so ein Bad säubert nicht nur, sondern fördert auch die Gesundheit, und nebenbei erfährst du die neuesten Neuigkeiten aus der Stadt! Los, laß uns hingehen!" bat er mich. "Heute haben die Badehäuser doch gerade auf, Heinke!"

"Nur heute, Thomas?"

"Nein, auch am Donnerstag und am Samstag! Aber heute ist mir so danach! Bitte!"

"Aber wir gehen nicht zu diesem Gregor! Den kann ich nicht ausstehen!"

"Nein, da müssen wir auch nicht hin! Fast jede Straße besitzt ihre eigene Badestube. Wir müssen nicht weit gehen."

"Ich habe aber keinen Badeanzug dabei", fügte ich noch hinzu, aber Thomas schaute mich nur verdutzt an und fragte mich, was denn das wäre.

"Nein, das brauchst du hier nicht! Wir baden hier nackt! Oder hast du irgendwelche körperlichen Mängel, die du verstecken mußt?"

Ohne meine protestierende Antwort abzuwarten, drückte er mir einen Strohhut und ein Tuch in die Hände, zog sich seinen Pelzmantel über und griff nach einem Krug, der in der Küche auf einem Brett an der Wand stand.

"Hier habe ich mir Lauge zum Waschen hergestellt. Aus Weidenasche und Kamillenblüten! Wir könnten uns die Lauge und die Kopfbedeckungen auch im Badehaus besorgen, aber das mußt du dann extra bezahlen."

"Dürfen denn die Frauen mit den Männern baden?"

"Ja, Heinke! Außer den Juden dürfen dort alle hingehen, egal welches Geschlecht sie haben. Jedenfalls jetzt noch! Wie ich gehört habe, möchte die Kirche mit Hilfe des Rates dies ändern."

Ins Badehaus zu gehen, muß im Mittelalter ein besonderes Vergnügen gewesen sein. Unser Gastgeber, Herr von Münzenberg, besitzt sogar eine eigene Badestube, die er mindestens dreimal in der Woche mit der gesamten Familie und dem Gesinde aufsucht. Kurt war auch schon ein paarmal mitgegangen.

'Aber, Heinke, warum wollen Sie denn nicht mitkommen? In der Winterszeit zählt der Aufenthalt in der Badestube zu den höchsten Genüssen', höre unseren Gastgeber noch sagen. Nein, da muß erst ein Thomas kommen und mich bitten!

Wir brauchten wirklich nicht lange, um die Badestube am Ende der Gasse zu erreichen. Den ersten Raum, den ich dort zu sehen bekam, war der sogenannte Auskleideraum. Während Thomas sich sofort seiner Gewänder zu entledigen begann, schaute ich mir neugierig die anderen Gäste an. Völlig nackt, nur mit Halsketten, Ringen und den turbanartigen Kopfbedeckungen oder Strohhüten versehen, waren sie in Gespräche vertieft oder legten ihre Kleidungsstücke in die Hände einer der Bademägde. Die Frauen scheinen sich im Mittelalter (oder vielleicht auch nur hier) nicht nur die Haare an der Stirn zu entfernen, sondern auch im Schambereich. Es war nicht eine zu sehen, die ihr "berühmt-berüchtigtes Bermudadreieck" noch besaß! Nein, den Schlüpfer wollte ich lieber anbehalten. Man weiß ja nie, wie die Leute hier auf mein "Anderssein" reagieren!

Während ich so am Grübeln und Ausziehen war, bemerkte ich, wie Thomas mich begutachtete. Ich warf ihm deshalb verlegen mein Kleid ins Gesicht, das er aber sofort grinsend beiseite legte.

"Sag' bloß, ihr Frauen aus dem 20. Jh. tragt Hosen?" schüttelte er ungläubig den Kopf und wollte mir den Schlüpfer herunterziehen.

Aber das ließ ich nicht zu, und da Thomas spürte, daß ich es ernst meinte, hörte er damit auf, legte unsere Kleidungsstücke auf einen Haufen und übergab diesen zusammen mit einigen Münzstücken an eine der Bademägde.

"Sie passen auf unsere Sachen auf, damit sie uns nicht gestohlen werden", erklärte er mir, steckte sich den Strohhut auf und ließ mein Haar unter dem mitgebrachten Tuch verschwinden.

Abb. 59: Zwei reizende Bademägde in ihrer charakteristischen Kleidung bedienen einen Kunden

Abb. 60: Der Bademeister mit Fiete (zum Öffnen der Venen) und Wassereimer

Dann begaben wir uns zuerst ins Schwitzbad. Zwei lange Bänke und ein großer offener Ofen waren dort im Dampf ausfindig zu machen. Da die Fensterläden geschlossen waren, mußten mehrere Kerzen und Öllampen für die nötige Helligkeit sorgen. Zwei Bademägde näherten sich uns und forderten uns auf, Platz zu nehmen. Wir bekamen beide ein Kissen, das wir sogleich auf die Holzbank legten. Die Bademägde, nebenbei bemerkt, sahen in ihren knöchellangen, weißen, dünnen Gewändern richtig verführerisch aus (Abb. 59). Der Ausschnitt am Rücken reichte fast bis zum Po, und die Arme und Schultern waren ebenfalls frei. Das Haar hatten sie unter Netze gesteckt. Nachdem wir von zwei Mägden mit lauwarmem Wasser bespritzt worden waren, wurden unser Rücken, unsere Beine und Arme massiert. Das tat gut! Auf dem Boden vor uns lag ein Haufen glühendheißer Steine, über die ein Knecht einen kleinen Eimer Wasser goß. Es begann zu zischen und zu dampfen. Während Thomas sich "lecken" ließ, d.h. von einer Magd mit einem Laubbüschel geschlagen wurde, um die Durchblutung seiner Haut anzuregen, schaute ich mich um. Durch den Nebel konnte ich eine Magd beim Scheuern des Dielenbodens entdecken. Der Bademeister, wie seine Knechte mit einer slipartigen Hose und einem Strohhut versehen (Abb. 60), war damit beschäftigt, sein Schermesser zu wetzen und ließ sich heißes Wasser von einer Magd bringen. Zwei ältere Damen und ein älterer Herr saßen auf der anderen Bank. An ihren Körpern hingen unzählige Schröpfköpfe, und ihre Füße ruhten in einer kleinen Holzwanne.

Plötzlich stand der Bader direkt vor uns und fragte, ob wir uns auch innerlich reinigen wollten.

Bevor ich etwas sagen konnte, wies Thomas ihn ab.

"Die Bader verdienen sich durch das Schröpfen dumm und dämlich. Da das Ansetzen der Schröpfköpfe stückchenweise bezahlt wird, möchten sie ihre Kunden am liebsten völlig unter ihren Schröpfköpfen verschwinden lassen. Siehst du die Frau neben dir? Bei der wird gleich der Aderlaß vorgenommen. Die um ihren Oberarm gelegte Binde staut das Blut und läßt die Venen stark hervortreten."

Und tatsächlich kam sogleich der Bader und schnitt in eine der Venen. Das Blut spritzte bogenförmig in eine auf dem Schoß der Frau befindliche Schüssel.

"Darf ich sie waschen?" fragte mich plötzlich eine Magd. Ich war total unschlüssig und schaute Thomas an, der für mich "ja" sagte und der Magd den Krug mit seiner mitgebrachten Waschlauge überreichte. Es ist ein eigenartiges Gefühl, von einem wildfremden Menschen gewaschen zu werden. Die Bademagd rieb mir den Schweiß ab, seifte meine Haare und meinen Körper mit der Lauge ein und befreite mich vom Schaum, indem sie vier große Krüge mit lauwarmem Wasser über mich goß. Dann rubbelte sie mein Haar trocken und kämmte es mit einem zweireihigen Kamm. Und zuletzt wurde ich in ein schneeweißes dünnes Laken eingehüllt, das wunderbar nach Rosen roch. Thomas wurde ebenfalls von einer sehr jungen, dazu noch hübschen Magd gewaschen und rasiert. Nur keine Eifersucht aufkommen lassen, mußte ich mir ständig sagen!

Abb. 61: Typische Badehausszene

Mit unseren Laken begaben wir uns in einen anderen Raum, in dem sich sechs große Holzbottiche befanden, über die bunte Baldachine gespannt waren (Abb. 61). Vor einem Ofen standen zwei Knechte und betätigten Blasebälge. Über dem Feuer hingen mehrere Wasserkessel, die in die Bottiche gekippt wurden. Von draußen kamen Knechte, die ihr kaltes Wasser mit dem heißen Wasser vermischten.

Eine Magd forderte uns auf, in einen der leeren Bottiche zu steigen. Ich legte mein Laken ab und folgte ihrer Anweisung. Im Bottich befand sich eine Sitzbank, so daß mir das Wasser nur bis zum Bauchnabel reichte. Eine andere Magd streute trockene Blütenblätter auf unser Wasser, und ein Knecht baute vor uns einen Tisch auf, der mit einer weißen Decke geschmückt wurde. Und dann wurden wir mit erlesenen Speisen und köstlichen Weinen verwöhnt. Oh, es ist einfach herrlich, im warmen Wasser zu speisen. Damit die Temperatur in der Wanne gleich warm blieb, kamen hin und wieder Knechte, schöpften lauwarmes Wasser aus unseren Bottichen und gossen heißes Wasser hinzu. Thomas und ich saßen bestimmt zwei Stunden in unserem "Wannenhaus", aßen, tranken, lauschten der Musik eines Lautenspielers oder sangen lautstark mit: "Außen Wasser, innen Wein, laßt uns alle fröhlich sein!"

Die anderen Gäste um uns herum verließen ab und zu ihre Bottiche, um sich einsalben zu lassen. Aber schon kurze Zeit darauf planschten sie wieder in ihren Wannen. Thomas saß direkt neben mir und fummelte an meinem Schlüpfer herum. Ich erklärte ihm, daß es mir unangenehm wäre, als einzige Frau unten unrasiert herumzulaufen und bat ihn um Verständnis.

Abb. 62: Die Badestube als Treffpunkt für Liebespärchen

"Aber das sieht doch keiner hier in der Wanne", flüsterte er mir zu. Na, und da er recht hatte, ließ ich ihn gewähren. Für Thomas war das wohl der Startschuß zum Schmusen. Jedenfalls wollte er meinen Körper genauestens kennenlernen. Nichts konnte seinen weichen zärtlichen Händen entgehen. Und schließlich ergriff er meine Hand und führte sie zu seinem erigierten Penis. Ich hatte so eine Angst, daß die anderen Gäste uns bei unseren stürmischen Umarmungen beobachten würden, aber Thomas beruhigte mich und meinte, daß hier viele Liebespaare wären, und daß sich hier häufig die Gesellen, Knechte und Mägde treffen würden, weil es für die Liebe momentan draußen auf der Wiese viel zu kalt wäre (Abb. 62).

Nur ein Bekannter von Thomas, der sich hier auch zufällig befand, ließ sich kurz an unserem Wannenrand nieder. Auf meinen Busen starrend, sagte er zu Thomas: "Na, da hast du für deine Pflugschar ja den richtigen Acker gefunden!". Als Thomas das auch noch bejahte, blieb mir die Spucke weg. Gott sei Dank, verschwand der Typ bald, und Thomas winkte eine Magd herbei, um ihr mitzuteilen, daß wir die Wanne verlassen wollten. Kurz darauf kamen zwei andere Mägde, steckten uns wieder in die duftenden Laken und rieben uns nach dem Abtrocknen noch mit Rosenöl ein. Thomas schien es nicht das Geringste auszumachen, vor diesen Damen mit seinem steifen Geschlechtsteil zu stehen. Ich verstehe die Leute hier überhaupt nicht! Und ich dachte immer, ich wäre nicht so prüde! Die scheinen hier alle, nicht das geringste Schamgefühl zu haben! Es hätte nur noch gefehlt, daß die Magd ihm auch noch seine "Rute", wie Thomas seinen Penis immer nennt, eingerieben hätte. Ja, und nach dieser Prozession schnappte mich Thomas und trug mich in einen winzigen Nebenraum, in dem wirklich nur Platz für das dort befindliche Bett war. An der Decke stand mit roten Buchstaben geschrieben: Freue Dich! Betrübtes Herz, häufiger Zorn und freudloses Gemüt wirken lebensverkürzend!

Na, ja, und damit ich lange am Leben bleibe, meinte Thomas, müßte ich jetzt erst einmal kräftig "durchgepflügt" werden. Mensch, ich bin total k.o. Einmal pflügen reichte natürlich nicht! Soviel Spaß hat mir der Sex noch nie gemacht! Am liebsten würde ich jetzt schon wieder zu Thomas gehen! Wie soll das bloß enden?

Heinke