Eintrag 24
Heinkes Notiz, geschrieben am 2.1.1438
Keine Angst, ich lebe noch! Ich hatte nur absolut keine Lust, über die ohne Höhepunkte verlaufenden letzten Tage des Jahres zu schreiben. Am 24.12. mußten wir die ganze Nacht mit Gebeten durchwachen, und zur Belohnung gab es noch nicht einmal Geschenke. Am 25.12., 26.12. und am 28.12. hatten wir sogar dreimal (pro Tag) in der Kirche zu erscheinen, um Vater Matthias' tödlich-langweiligen Predigten über uns ergehen zu lassen. Die Silvesternacht dagegen war interessant. Bis zum frühen Morgen erzählten wir uns Märchen und Sagen, und am 1.1. wurden Kurt und ich nach mittelalterlichem Brauch mit Neujahrsgeschenken überrascht. Kurt erhielt ein kostbares Buch, das mit einer samtenen Schutzhülle und Quasten und goldenen Laschen versehen war, und ich erhielt ein Traum von Kleid! Ihr werdet vor Neid im Boden versinken, wenn ich es Euch in zwei Monaten zeigen werde!
Am 7.1. werden Kurt und ich die Stadt für 10 Tage verlassen. Stina van Wave bat ihren Mann, Veronika die gewünschten Sachen, also das Zuckerkonfekt und die Pelzdecke, als Neujahrsgeschenke vorbeizubringen. Veronikas Kloster liegt in der Nähe eines Dorfes, das der Stadt gehört. Und dort werden Kurt und ich bei einem reichen Bauern Unterkunft finden. Das wird bestimmt eine "saukalte" Angelegenheit, aber so erhalten wir wenigstens einen kleinen Einblick ins bäuerliche Leben.
Melchior ist gerade vor unseren Augen zusammengebrochen. Er sah schon in den letzten paar Tagen sehr krank aus. Kurt versucht, Herrn von Münzenberg zu überzeugen, daß er bloß nicht den "Tattergreis" von Arzt bestellen soll, der den Bruder unseres Gastgebers behandelt hatte.
Otto wird los geschickt! Herr von Münzenberg hat sich schließlich "breitschlagen" lassen. Nun wird der neue Stadtarzt kommen.
P.S.: Der neue Stadtarzt war da! Uih, sieht der toll aus! So einem bildschönen Mann bin ich noch nie in meinem Leben begegnet! Oh, diese wunderschönen Augen! Diese langen schwarzen Wimpern! Dieser Mund! Hilfe, ich bin verliebt in einen mittelalterlichen Arzt! Hoffentlich legt sich das wieder!
Heinke

