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Frauenschicksale

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Eleonore, die Königin von Portugal und Frankreich (1498-1558): Verzicht auf privates Glück zum Nutzen der Habsburger-Dynastie

Eleonore (Abb. 41) wurde als erstes Kind von Philipp dem Schönen († 1506) und seiner spanischen Frau, Johanna der Wahnsinnigen (Abb. 42) († 1555), am 15.11.1498 in Brüssel geboren. Mit ihren Geschwistern Karl V., Isabella (Abb. 43) und Maria (Abb. 44) wuchs sie bei der Schwester ihres Vaters, der Tante Margarete (Abb. 45) († 1530), in Mecheln auf.

Abb. 41: Eleonore von Portugal und Frankreich

Abb. 42: Johanna die Wahnsinnige

Abb. 43: Die drei ältesten Kinder von Johanna der Wahnsinnigen (von links nach rechts): Karl (V.), Eleonore (spätere Königin von Portugal und Frankreich) und Isabella (spätere Königin von Dänemark)

Abb. 44: Maria von Ungarn, um 1530

Abb. 45: Margarete von Österreich

Als sie 15 Jahre alt war, plante ihr Großvater Maximilian I. († 1519), sie, die als die schönste unter ihren Schwestern galt, aus politischen Gründen mit einem seiner Hauptgegner zu vermählen. Bei dem Bräutigam handelte es sich um den 52-jährigen König von Frankreich, Ludwig XII., der sich jedoch letztendlich für die 18-jährige Maria von England, einer Schwester Heinrichs VIII., entschied.

Zum Glück für Eleonore, denn ihr begegnete in den Jahren 1516/17 ihre große Liebe, der gutaussehende Pfalzgraf Friedrich von Heidelberg, der sich als charmanter Gesellschafter und fast unüberwindlicher Turnierteilnehmer an ihrem Hof schon einen Namen gemacht hatte. Seit 1513 war er als Erzieher Karls V. tätig. Und Eleonores Liebe zu ihm wurde von ihm sogar erwidert. So gingen schließlich eine Zeitlang verstohlene Liebesbriefe hin und her, bis Karl V. durch eine verräterische Hofdame in das süße Geheimnis eingeweiht wurde. Voller Zorn entließ er daraufhin den Pfalzgrafen von seinem Hofe, nachdem er ihn und Eleonore zuvor noch zu schwören befohlen hatte, sich nicht heimlich anderswo trauen zu lassen. Was der Pfalzgraf wohl im geheimen längst geplant hatte. Eleonore, die wie alle ihre Schwestern ihren Bruder sowohl fürchtete wie auch abgöttisch verehrte, gehorchte und verzichtete auf ihre große Liebe. Bereitwillig stellte sie sich den Plänen ihres Bruders zur Verfügung. Schließlich brauchte Karl V. seine Schwestern als Heiratsobjekte für seine zukünftigen politischen, finanziellen und dynastischen Pläne. Da nahm er nicht einmal auf die Wünsche und Gefühle einer seiner Lieblingsschwestern Rücksicht. Außerdem war nicht nur der französische Schriftsteller Montaigne der Auffassung, daß Liebesehen im allgemeinen leichter als Vernunftehen scheitern würden und daß man in jeder guten Ehe auf die Liebe besser verzichten sollte. Die romantische Liebe galt als Leidenschaft, deren Flammen so schnell wie ein Strohfeuer verlöschen würden. Diese Form von Liebe schien wirklich nicht geeignet, der Ehe Dauerhaftigkeit zu verleihen. Für den Adel war die Verheiratung zudem ein politischer Akt, der die beste Gelegenheit für eine Einfluß- und Machtvergrößerung bot, da konnte nicht jeder nach Lust und Liebe seinen zukünftigen Gatten auswählen.

Abb. 46: Katharina von Portugal

1518 begab sich Karl V. in sein neues Königreich Spanien. Eleonore hatte ihn zu begleiten. Einerseits weil er dem Pfalzgrafen nicht traute – dieser könnte es vielleicht trotzdem noch einmal wagen, Eleonore zu einer Heirat zu überreden –, andererseits wollte er mit seiner ältesten Schwester zusammen seine geistig-labile Mutter und seine jüngste Schwester Katharina (Abb. 46) besuchen, die beide seit Jahren in einer gefängnisartigen Burg in Tordesillas eingesperrt lebten.

1519 wurde Eleonore im Alter von 20 Jahren mit dem 50-jährigen, buckligen König Manuel I. von Portugal verheiratet, der schon zuvor in seiner ersten und zweiten Ehe mit zwei Schwestern ihrer Mutter, Isabella († 1498) und Maria († 1517), vermählt gewesen war. Schon ein Jahr später schenkte Eleonore ihrem Mann den Sohn Karl, der bereits 1520/21 sterben sollte, und 1521 die Tochter Maria († 1577), die im Todesjahr ihres Vaters zur Welt kam.

1521 stand Eleonore für ihren Bruder erneut als Heiratsobjekt zur Verfügung. 1523 versprach ihr Bruder sie dem Herzog Charles de Bourbon, der als schön, schweigsam, nachdenklich und als hervorragender Heerführer galt und der von vielen Frauen angebetet wurde. 1525 änderte Karl V. jedoch seine Meinung betreffs des nächsten Ehegatten seiner Schwester, denn in diesem Jahr gelang es ihm, den französischen König Franz I. gefangenzunehmen. Und diesen, seinen größten Rivalen, sah er aus politischen Gründen viel lieber durch seine Schwester an das Habsburger Haus gebunden. Franz I., der als Geisel des Kaisers in Spanien – im Festungsturm des Alcazars – lebte, erklärte sich schließlich zur Heirat bereit und wurde, nachdem er per procurationem mit Eleonore vermählt war, freigelassen. Zurück in Frankreich widerrief er jedoch sein Versprechen mit der Begründung, die Abmachungen des Friedens von Madrid im Jahre 1526 wären – weil erzwungen – nicht gültig.

Vier Jahre später kam die "richtige" Heirat am 7.7.1530 dann mit Hilfe der Tante Margarete von Österreich und der Mutter Franz' I., Louise von Savoyen († 1531), doch noch zustande. Eleonore war zu dem Zeitpunkt ihrer zweiten Hochzeit 31 Jahre, Franz I. 35 Jahre alt. Altersmäßig paßten sie gut zueinander, vom Charakter her aber waren sie zu verschieden.

Von ihren Zeitgenossen wurde Eleonore als sanfte, zarte, sehr fromme, künstlerisch begabte, politisch jedoch einflußlose, gelehrte und von Dichtern gefeierte Herrscherin beschrieben, die einen Hang zur Melancholie hatte. Am französischen Hofe fand sie ihren glühendsten Verehrer im Marschall und Konnetabel Anne I. Montmorency. Während einige Zeitgenossen von ihrer Schönheit schwärmten – besonders ihr fülliges, sanftes, blondes Haar wurde gelobt –, behaupteten andere, daß sie durch ihre kurzen Beine und durch den zu langen Oberkörper trotz normaler Größe zwergenhaft wirkte.

Franz I. wurde als ein Mann von unerschöpflicher Ausdauer beschrieben. Er war 1,80-1,90 m groß, hatte breite Schultern und einen kräftigen Brustkorb und wirkte auf die Frauen zwar nicht schön – er hatte eine viel zu große Nase, die bis zum Mund herabhing, und zu hochgezogene Augenbrauen, zudem schielte er als Folge seiner Kurzsichtigkeit leicht –, aber er galt trotz allem als sehr männlich! Weil er sich bei einem ausgelassenen Fest 1522 im Gesicht Brandwunden zugezogen hatte, trug er, um die häßlichen Narben zu verbergen, seit dieser Zeit einen schwarzen, krausen Kinnbart. Seine Zeitgenossen beschrieben ihn zudem als waghalsig, unbekümmert, als einen Freund ausgelassener Fröhlichkeit und prunkvollen Auftretens, als extravagant über alle Maßen, hemmungslos ehrgeizig, ruhmsüchtig, skrupellos, ohne Moral, verschwenderisch, großspurig, oberflächlich, unzuverlässig, berechnend, unstet und z.T. brutal. Seine rebellischen weiblichen Verwandten ließ er unbarmherzig auspeitschen, wenn sie es wagten, sich seinen politisch-finanziell-dynastischen Heiratsplänen, die er mit ihnen vorhatte, zu widersetzen. Zudem war er ständig am Umherziehen. Drei Monate war die längste Zeitspanne, die er in einer Umgebung aushielt. So zog sein Hof – mit Eleonore natürlich, die sein Vagabundenleben teilen mußte – zwischen den Schlössern Chambord, Blois, Amboise und Chenonçeaux in prunkvoller Aufmachung mit Schrankkoffern, Etagenbetten, Tapisserien und zahlreichen Gobelins hin und her, wozu 12 000 Pferde notwendig waren, denn in Friedenszeiten zählte sein Hof 18 000 Menschen.

Abb. 47: Claude von Frankreich

Aus seiner ersten Ehe mit Claude (Abb. 47)(† 1524), der Tochter Ludwigs XII., hatte er sieben Kinder, von denen zum Zeitpunkt der zweiten Heirat noch fünf am Leben waren. Seine Leidenschaft gehörte dem Krieg und der Jagd. Und auf der Jagd war er immer, entweder verfolgte er Hirsche oder aber Frauen. Sein Hof galt als der unmoralischste in ganz Europa. So gab er auch nach seiner Eheschließung mit Eleonore seine hochmütige und lebhafte Mätresse, Anne de Pisseleu, die Herzogin von Étampes, nicht auf, die ihn wiederum nur ausnutzte und es hinter seinem Rücken mit ihren unzähligen Liebhabern trieb. Von ihm persönlich soll die Aussage stammen: "Ein Hof ohne Frauen ist ein Jahr ohne Frühling, ein Frühling ohne Rosen." (in: René Guerdan, Franz I. – König der Renaissance, Frankfurt a. Main 1978, S. 98).

Eleonore, die ihren Gatten sehr liebte und deshalb auch mit dessen Mätresse in freundschaftlichem Verhältnis lebte, konnte Franz I. zu keinem festen Verbündeten ihres Bruders machen. In den Jahren 1536-1538 und 1542-1544 bekriegten sich die beiden erneut, ohne daß Eleonore einschreiten und die Kämpfe verhindern konnte. 1546 finanzierte ihr Mann zudem den Widerstand der protestantischen Fürsten gegen Karl V.. Wenn Eleonore zwischen den beiden nicht vermitteln konnte, hielt sie mehr zu ihrem Mann als zu ihrem Bruder. Franz I. nutzte sie als Vermittlerin teilweise schamlos aus, sonst aber hielt er sie für zu langweilig.

Am 5.3.1531 wurde Eleonore in St. Denis zur Königin von Frankreich gekrönt. Aus ihrer 16-jährigen Ehe mit Franz I. gingen keine Kinder hervor. Als ihr Mann, der seit 1539 an einer Geschlechtskrankheit – Gonorrhoe oder Syphilis – litt, an den Folgen dieser Infektion am 31.3.1547 gestorben war, zog sie zu ihrer Schwester Maria nach Brüssel, wo sie 1555 die Abdankung ihres Bruders Karl V. miterlebte. Gemeinsam mit ihm und ihrer Schwester Maria verließ sie 1556 ihr Geburtsland, um ihren Lebensabend im Süden zu verbringen.

Als nun mittlerweile alte Frau hatte sie zudem nur noch einen einzigen Herzenswunsch, nämlich mit ihrer Tochter Maria vereint zu leben, die sie 1530 am portugiesischen Hof zurücklassen mußte. Denn die Kinder waren Eigentum des väterlichen Familienverbandes. Und Eleonore hatte kein Recht, bei ihrem Kinde zu bleiben. Sie mußte sich den Heiratsplänen, die ihr Bruder mit ihr vorhatte, fügen.

So nahm sie sich gleich nach ihrer Ankunft in Spanien vor, ihre Tochter in Portugal zu besuchen. Aber es kam trotz Karls Vermittlung an der spanisch-portugiesischen Grenze nur zu einer 20-tägigen Begegnung mit Maria, die in Eleonore nicht ihre Mutter sah, sondern nur einen Vertreter des ihr verhaßten spanischen Königshauses. Hatte doch ihr Cousin Philipp II., der Sohn Karls V., sie wegen Maria Tudor verschmäht. Die Bitte ihrer Mutter, sich in Marias Nähe, in Portugal, niederlassen zu dürfen, wollte die Tochter nicht erfüllen. 15 Tage nach diesem letzten Gespräch starb Eleonore am 18.2.1558 in Talavera. Ihr Tod traf ihren Bruder sehr. Er folgte ihr schon am 21.9.1558.

Wenn Sie mehr Abbildungen von Eleonore von Portugal und Frankreich und ihrer Familie sehen möchten, schauen Sie sich bitte den Bilderkatalog der Habsburger an.

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