
Lucas Cranach der Jüngere: Lucas Cranach der Ältere, 1550
Lucas Cranach der Ältere
Lucas Maler, der sich später Cranach nannte, wurde am 4.10.1472 in Kronach nahe Bamberg als ältestes von neun Kindern geboren. Sein Vater, Hans Maler († 1527/28), war Schilder- und Kartenmaler, Häuseranstreicher und Formenschneider. Von seiner Mutter Barbara († 1491/92) sind leider keine Informationen überliefert worden. Nachdem Lucas in der väterlichen Werkstatt ausgebildet worden war und dort zumindest für einige Jahre gewirkt hatte, fand er von 1500-1503/04 im Donau-Raum und in oder in der Nähe von Wien Arbeit. Seit 1505 hatte er schließlich eine feste und hochbesoldete Stellung als Hofmaler und als Abgesandter der sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen (Abb. 245), Johann des Beständigen (Abb. 246) und Johann Friedrich des Großmütigen (Abb. 247) inne. Außerdem malte er noch für Kaiser Maximilian I., für Albrecht von Brandenburg, den Erzbischof von Mainz und Magdeburg und Bischof von Halberstadt, für dessen Bruder und dessen Neffen, Joachim I. und Joachim II. von Brandenburg, und andere hohe Adlige und für seinen Freund Martin Luther. Kaiser Maximilian I. hatte er kennen gelernt, als er als Abgesandter Friedrichs des Weisen 1508 in Mecheln an der Huldigungsfeier und Schwurleistung für den jungen Erzherzog, den späteren Karl V. (Abb. 248), teilgenommen hatte. Zusammen mit Albrecht Dürer hatte er daraufhin den Auftrag erhalten, an dem Pergamentgebetbuch Maximilians I. zu arbeiten.
Abb. 245: Friedrich der Weise, um 1510-12
Abb. 246: Johann der Beständige, um 1510-12
Abb. 247: Johann Friedrich der Großmütige als Bräutigam
Abb. 248: Karl V. als Erzherzog von Österreich und Herr von Burgund, um 1508
Abb. 249: Die Freunde: Lucas Cranach der Ältere und Martin Luther
In den 20- bis 40er Jahren versah er die Flugschriften, die Einzelausgaben der Predigten und sämtliche Druckschriften seines Freundes Martin Luther (Abb. 249), dessen Trauzeuge er war und für dessen ältesten Sohn er Taufpate stand, mit Zeichnungen und Bildern. So erschien z.B. im Jahre 1522 Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testamentes mit seinen Holzschnitten.
Um 1506 heiratete er Barbara Brengebier (um 1480-1540), die Tochter eines Gothaer Patriziers, Ratsherrn und schließlich Bürgermeisters, die ihm fünf Kinder schenkte, die Söhne Hans (um 1507/08-1537) und Lucas (1515-1586) und die Töchter Ursula (geboren vor 1520), Barbara (1520-1601) und Anna (1527-1577) (Abb. 250). Letztere Tochter durfte Martin Luther als einen ihrer Taufpaten nennen. Sein Sohn Hans, der sein Nachfolger in seiner Malerwerkstatt werden sollte und auf den er besonders stolz war, starb bereits im Jahre 1537 auf einer Reise nach Bologna. So übernahm schließlich sein zweiter Sohn, Lucas der Jüngere (Abb. 251), das Geschäft.
Von seinen Zeitgenossen wurde Lucas Cranach (Abb. 252) der Ältere als geistvoll, humorvoll und als „schneller“ Maler – er lieferte seine Aufträge in kürzester Zeit ab – und erster großer Aktkünstler bezeichnet, der es zudem verstand, ein großes Vermögen anzuhäufen. Von 1519-1545 war er Ratsherr in Wittenberg, und 1537/38 sowie 1540/41 und 1543/44 wählte man ihn sogar zum Bürgermeister. Als Maler, der Bildnisse schuf, aber auch Gemälde alten Stiles aus den Themenbereichen Bibel, Geschichte und Mythos verkaufte, als Apotheken- und Weinschankbesitzer, als mehrfacher Haus- und Grundstückbesitzer, Besitzer einer bedeutenden Druckerei und Betreiber eines weit ausgedehnten Papier- und Buchhandels wundert es nicht, daß er laut der Grundsteuerabrechnung von 1528 neben dem kurfürstlichen Kanzler Gregor Brück (Abb. 253) als der reichste Bürger Wittenbergs bezeichnet wurde.
Abb. 250: Lucas Cranach der Ältere mit seiner Gattin Barbara Brengebier und seinen beiden Söhnen, Hans und Lucas dem Jüngeren (das Alter der dargestellten Kinder entspricht nicht ihrem richtigem Alter!)
Abb. 251: Lucas Cranach der Jüngere, 1546
1550, als dieses Selbstbildnis entstand, bat ihn der seit 1547 von Karl V. gefangengehaltene Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige nach Augsburg zu kommen, um in dessen Nähe zu wohnen. Lucas zögerte erst – immerhin war er schon 77 Jahre alt –, folgte aber schließlich dem Aufruf und lebte mit dem Kurfürsten einige Jahre in Innsbruck, wo er für ihn als Maler tätig war. Als der Kaiser den Kurfürsten im Jahre 1552 freiließ und Lucas Cranach der Ältere nicht mehr benötigt wurde, übertrug Letzerer sein Haus und seine Werkstatt seinem Sohn Lucas dem Jüngeren und zog zu seiner Tochter Barbara, die seit 1543 mit Dr. Christian Brück (Abb. 254) verheiratet war, nach Weimar. Dort starb er am 16.10.1553 im Alter von 81 Jahren.
Abb. 252: Lucas Cranach der Ältere
Abb. 253: Gregor Brück
Abb. 254: Dr. Christian Brück
