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Begegnungen mit Zeitgenossen der Renaissance

Inhaltsverzeichnis

Als Buch erhältlich:

Die Sforza III: Isabella von Aragon und ihr Hofmaler Leonardo da Vinci
488 Seiten, mit 322 Bildern, ISBN 978-3-8391-7110-3; € 49,90

Leonardo da Vinci und Andrea del Verrocchio: Andrea del Verrocchio als Heiliger Johannes in: Die Taufe Christi


Andrea del Verrocchio

Andrea del Verrocchio hieß in Wirklichkeit Andrea di Michele di Francesco da Cioni, nannte sich jedoch nach seinem Lehrer Verrocchio. Er wurde im Jahre 1435 als viertes Kind des Ziegelbrenners Michele di Francesco Cioni und dessen Frau Gemma in Florenz geboren. Obwohl sein Vater beruflich bis zum Steuereinnehmer aufsteigen konnte, ging es der Familie nach dessen frühem Tod sehr schlecht.

Andrea, der eigentlich in der Goldschmiedekunst ausgebildet worden war, arbeitete sich als Allroundkünstler hoch, um für seine Familienangehörigen ausreichend sorgen zu können. So unterstützte er, der unverheiratet blieb, auch noch später die Familie seiner Schwester Margherita, deren Kinder sogar vorübergehend in seinem Haus wohnten, und sorgte zudem für den Lebensunterhalt und die Mitgift seiner Nichten, Marietta und Agnoletta, den Töchtern seines Bruders Tommaso. Diesen Familiensinn übertrug er auch auf seine Schüler und Mitarbeiter, zu denen Leonardo da Vinci († 1519) (Abb. 101), Lorenzo di Credi (Abb. 102), Pietro Perugino († 1523) (Abb. 103), der spätere Lehrer Raffaels, und zeitweilig auch Botticelli († 1510) (Abb. 104) gehörten.

Abb. 101: Leonardo da Vinci (Selbstporträt)

Abb. 102: Lorenzo di Credi, um 1488

Abb. 103: Pietro Perugino

Abb. 104: Sandro Botticelli

Abb. 105: Lorenzo de´Medici

Von ihm konnten seine Schüler viel lernen, denn er war nicht nur ein ausgezeichneter Maler, Holzschnitzer, Meister der Perspektive und Bronzegießer, sondern auch der führende Bildhauer in Florenz. Zudem versorgte ihn Lorenzo de'Medici (Abb. 105), der ihn besonders schätzte, mit vielen Aufträgen. Andrea, den man aufgrund seiner äußerlichen Erscheinung und seiner schlichten Kleidung eher für einen einfachen Arbeiter als für einen Meister so berühmter Künstler halten konnte, wurde als ruhig, schweigsam, unscheinbar, im Alter weitsichtig werdend und zeitlebens als unermüdlich und gewissenhaft arbeitend beschrieben. Seine Freizeit gehörten der Geometrie und der Musik. So liebte er es im Kreise seiner Freunde zur Laute zu greifen und kräftig mitzusingen.

Beruflich war er in Venedig und Florenz tätig. In Venedig verfaßte er am 25.6.1488 sein Testament, in dem er die Obliegenheiten seiner Werkstatt seinem Lieblingsschüler Lorenzo di Credi übertrug. Kurz darauf, vermutlich am 30.6.1488, starb er an den Folgen einer Erkältung, die er sich bei der Erstellung des Reiterdenkmals für den Söldnerführer Colleoni zugezogen hatte.