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Begegnungen mit Zeitgenossen der Renaissance

Inhaltsverzeichnis

Robert Campin: Mann mit Turban und Nelke


Auf Brautsuche

Dieser Mann hier hat seine zukünftige Gattin schon gefunden, denn er trägt die Nelke, die „Verlobungsblume“, in seinen Händen. Vielleicht handelte es sich bei der Auserwählten schon um seine zweite Gattin?! Denn während für die „ideale“ Frau eine Wiederverheiratung als Liebesverrat und Treuebruch galt, verlobte sich der „ideale“ Mann im allgemeinen, nachdem er als Witwer drei Monate um seine Frau getrauert hatte, wieder neu. Wiederverheiratungen waren wegen der kurzen Lebenserwartungen der Ehegatten schon wegen der Kinder, die entweder ihren Vater oder ihre Mutter verloren hatten, notwendig und üblich. Da die Kleriker sich gegen diese „Unsitte“ sträubten, wurde dem Paar bei seiner zweiten Trauung nicht nur der Segen verweigert, sondern hatte die Hochzeitszeremonie auch bescheiden bei Nacht stattzufinden.

Mit einer rosa Nelke zeigt man seine Verlobung und mit einer roten seine gerade geschlossene Ehe an (Abb. 23). Einige hohe Adlige schmückten sich bei ihren Verlobungsporträts auch mit einer roten Rose (Abb. 24)

Abb. 23: Johann III. Ohnegnade (1374-1425), der jüngste Bruder des Herzogs Wilhelm VI. von Bayern-Hennegau-Holland, zeigt sich im Jahr 1419, nachdem er sein geistliches Amt als Bischof von Lüttich bereits im Jahr 1417 abgelegt hatte, als frischvermählter Mann (rote Nelke). Seine Gattin war Elisabeth von Görlitz, die verwitwete Herzogin von Brabant, die als Mitgift Luxemburg einbrachte (deshalb noch die zwei weiteren Nelken in ihren Farben, Rot und Weiß), und die er gegen Ende des Jahres 1418 oder zu Beginn des Jahres 1419 ehelichte

Abb. 24: Philipp der Gute als Verlobter (vermutlich von Bona d'Artois)