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Alltagsgeschichte des Mittelalters

Inhaltsverzeichnis

Kapitel

Vorwort

Soziale Struktur

Modetrends

Ritter und Turniere

Essen und Trinken

Ehe und Scheidung

Das Leben der Bauern

Stadtluft macht frei

Justiz und Strafwesen

Erziehung und Bildung

Die Medizin

Leben im Kloster

Glossar

Als Buch erhältlich:

Der Alltag im Mittelalter 352 Seiten, mit 156 Bildern, ISBN 3-8334-4354-5, 2., überarbeitete Auflage, € 23,90

III. 2.3. Die Rüstung

Gegen diese Waffen boten der Lederwams und das Kettenhemd bald keinen ausreichenden Schutz mehr. Im 14./15. Jh. wurde der Plattenpanzer oder Harnisch, der den gesamten Körper mit Eisenplatten versah, bei den Rittern immer gefragter. Angefertigt wurde diese Schutzkleidung, wie bereits im II. Kapitel erwähnt, vom Waffenschmied. In seinem Plattenpanzer, der bis zu 46 kg wiegen konnte, durfte sich der Ritter zwar vor feindlichen Angriffen geschützt fühlen, aber es gab auch viele Nachteile. So geriet man während des Kampfes schnell ins Schwitzen, beim Anlegen und beim Ablegen der Rüstung brauchte man mindestens zwei Helfer, und wegen ihres enormen Gewichtes kam man zu Fuß nur langsam vorwärts. Außerdem wurde die Sicht durch die Topfhelme so eingeengt, daß man nicht wußte, wohin man trat. Fiel man zu Boden, kam man ohne fremde Hilfe nicht wieder hoch!

Wegen all dieser genannten Schwierigkeiten gab es im Zeitalter der Ritterheere auch kaum größere Schlachten. Und als die Ritter im 14. Jh. auf leichter ausgerüstete Truppen - z.B. die englischen Bogenschützen - trafen, wurde ihnen schließlich auf Grund ihrer relativen Unflexibilität und Hilflosigkeit eine Niederlage nach der anderen beigebracht.

Wenn wir heute die mittelalterlichen Rüstungen in Museen bestaunen, fällt neben dem Gewicht besonders die Größe auf. Es gibt kaum Plattenpanzer, die die Größe von 1,60 - 1,65 m überschreiten. Die Menschen damals waren im Durchschnitt kleiner als wir.

Abb. 36: Die Entwicklung der europäischen Rüstung von 650 bis 1675 (unter den Figuren steht der Zeitraum, in dem die Rüstung getragen wurde) [große Abb.]

Abb. 37: Die Bezeichnungen der einzelnen Teile einer Ritterrüstung (in Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch) [große Abb.]

Helmut Wurm führt dieses Phänomen auf eine mangelhafte Ernährungsweise, auf schwere körperliche Arbeiten, auf die ungesunden Lebensbedingungen in den mittelalterlichen Städten und bei den Rittern auf die schweren Rüstungen zurück! (Abb. 36 und Abb. 37)

P.S.: Wenn Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, jemand das Märchen erzählt, dass Ritter mit ihren bis zu 46 kg schweren Rüstungen aufs Pferd springen und sogar Purzelbäume schlagen konnten, dann lassen Sie sich bitte durch solch einen Unsinn nicht verwirren. Wer solch unqualifizierten Kommentar gibt, der kann nicht einmal zwischen Rittern und Söldnern unterscheiden. Er hat also nicht die allergeringste Ahnung, was der Unterschied zwischen diesen beiden Formen von Kriegern ist. Die Söldner, Leute aus dem Bauernstand und dem niederen Adel, erhielten leichte Schutzkleidung, damit sie beim Kämpfen die Flexibilität behielten. Sie waren dadurch weniger geschützt und hatten eher damit zu rechnen, auf dem Schlachtfeld zu sterben. Aber sie konnten, wenn sie richtig durchtrainiert waren, in der Tat in ihren leichteren Rüstungen Purzelbäume schlagen!